2. Dezember 2025
Neue Studie: Über 99.8 Prozent der Zugvögel weichen Windrädern aus
Eine neue Studie des deutschen Bundesverbands Windenergie Offshore (BWO) belegt, dass Zugvögel Windenergieanlagen fast vollständig meiden und das Kollisionsrisiko deutlich geringer ist als bisher angenommen. Im Auftrag der finanzierenden Mitgliedsunternehmen hat der BWO im Rahmen dieser Studie das tatsächliche Kollisionsrisiko in einem küstennahen Windpark in Norddeutschland untersuchen lassen. Die Ergebnisse liefern auch eine solide Basis für einen naturverträglichen Ausbau der Offshore-Windenergie.

Analysiert wurden über vier Millionen Vogelbewegungen innerhalb von eineinhalb Jahren. Die Daten widerlegen die bisherige Annahme, dass hohe Zugintensität automatisch mehr Kollisionen bedeutet. ©BioConsult SH GmbH & Co. KG
Jedes Jahr überqueren Millionen Zugvögel die Nord- und Ostsee und damit auch Gebiete mit Offshore-Windparks. Welche Auswirkungen diese Anlagen auf Zugvögel haben, ist bisher nur unzureichend erforscht. Der BWO hat gemeinsam mit mehreren Unternehmen der Branche deshalb im Rahmen der Studie das tatsächliche Kollisionsrisiko in einem küstennahen Onshore-Windpark in Norddeutschland untersuchen lassen.
Die Forschenden analysierten über vier Millionen Vogelbewegungen innerhalb von eineinhalb Jahren. Die Daten widerlegen die bisherige Annahme, dass hohe Zugintensität automatisch mehr Kollisionen bedeutet. Pauschale Abschaltungen bei starkem Vogelzug erscheinen daher nicht sinnvoll.
Das Ergebnis:
- Die Studie konnte nachweisen, dass Zugvögel die Windenergieanlagen zuverlässig mieden. Mit über 99.8 Prozent der tag- und nachtziehenden Vögel mied ein deutlich grösserer Anteil die Anlagen als bislang angenommen.
- Keine Korrelation zwischen Zugintensität und Kollisionen: Entgegen der bisherigen Annahme stieg die Kollisionsrate nicht mit der Anzahl ziehender Vögel. Auch bei hoher nächtlicher Zugaktivität flogen nur sehr wenige Vögel durch den Rotorbereich.
- Technologischer Fortschritt: Die Kombination aus Radar und KI-basierten Kameras stellt einen methodischen Durchbruch dar und erlaubt eine bislang unerreichte Genauigkeit bei der Erfassung von Vogelflugbewegungen in der Rotorebene. Dadurch werden belastbare Rückschlüsse zur Kollisionshäufigkeit ermöglicht.
Innovative Methoden liefern neue Massstäbe in der Vogelzugforschung
„Wir haben modernste Methoden eingesetzt. KI-gesteuerte Stereokameras bestimmten die Flugaktivität im Rotorbereich, während ein spezialisiertes Vogelradar das Zuggeschehen aufzeichnete. Durch den Vergleich beider Datensätze konnten wir Ausweichraten präzise berechnen. Zusätzlich suchten wir gezielt nach Kollisionsopfern. So entstand ein umfassendes Bild des tatsächlichen Kollisionsrisikos von Zugvögeln an Windenergieanlagen,“ fasst Jorg Welcker, Leiter Forschung und Entwicklung bei der BioConsult SH GmbH & Co. KG, die Studie zusammen.
Zur Studie “The collision risk of migrating birds at wind farms”auf der Webiste des BWO >>