7. September 2026
Wie Desinformation auch die Energieversorgung der Schweiz bedroht
Ein neuer Bericht von WindEurope zeigt, dass 88 % der Menschen, die in Europa leben, es für wichtig halten, dass die EU Massnahmen zur Steigerung des Anteils erneuerbarer Energien ergreift. Dennoch werden europaweit und insbesondere in der Schweiz Windkraftprojekte verzögert, blockiert oder ganz aufgegeben. Zwischen diesen beiden Fakten klafft eine Lücke, die einen Namen hat: Desinformation. Und die ist in der Schweiz besonders erfolgreich.

Die Mechanismen der Desinformation zu verstehen, bedeutet, die Mittel bereitzustellen, um ihr zu begegnen – mit Fakten, Pädagogik und Transparenz. Das ist die Schlussfolgerung des Berichts von WindEurope. Das ist auch der Anspruch von Suisse Eole, unterstützt von seinen Mitgliedern und den Behörden. Bild: Wind Europe
Das dokumentiert ein Bericht von WindEurope mit dem Titel „Wind Energy Dis- and Misinformation Undermining Europe’s Security and Competitiveness“. WindEurope hat die Stimmen gegen Windenergie einer minutiösen Analyse unterzogen. Die Schlussfolgerungen sind ebenso fundiert wie beunruhigend.
Grenzüberschreitende Netzwerke
Die Antiwindkraft-Desinformation ist kein Produkt spontaner Angst von Anwohnenden von Windprojekten. Sie ist ein strukturiertes Ökosystem, an dem mehrere Arten von Akteuren mit unterschiedlichen Motivationen, aber konvergierenden Narrativen beteiligt sind: organisierte Antiwindkraft-Gruppen mit grenzüberschreitenden Netzwerken, rechtspopulistische politische Akteure, Medien, die irreführende Framings übernehmen; im Hintergrund die Interessen der ausländischen Erzeuger von Energie aus fossilen Trägern und der Atomindustrie.
Die NATO identifiziert den Kreml als treibende Kraft hinter negativen Diskursen über grüne Energien seit dem Einmarsch in die Ukraine, da Russland ein ureigenes Interesse daran hat, eine Energiewende zu bremsen, die Europas Abhängigkeit von seinen fossilen Energien verringert. Inzwischen hat sich auch die US-Regierung wieder auf die fossilen Energien besonnen und wehrt sich vehement gegen Windenergieprojekte.
Algorithmen sozialer Medien
WindEurope analysierte die Aktivität von 573 Antiwindkraft-Konten auf sechs Social-Media-Plattformen zwischen Mai 2024 und Februar 2026. Das Ergebnis: fast 43’000 Veröffentlichungen, 6.3 Millionen Interaktionen und Dutzende Millionen Aufrufe. In vier Narrativen konzentriert sich der Grossteil des Inhalts: Aufdeckung verborgener Interessen, Umweltzerstörung, technologische Unbrauchbarkeit und wirtschaftliches Versagen. Von Land zu Land identische Themen, verstärkt durch Algorithmen, die strukturell Angst und Empörung gegenüber verifizierten Fakten fördern.
Sehr konkrete wirtschaftliche Folgen
Der Bericht von WindEurope geht weit über eine reine Analyse sozialer Medien hinaus – er dokumentiert den tatsächlich entstandenen Schaden. In Bulgarien führte eine Kampagne, die auf der Behauptung basierte, Windturbinen verursachten Krebs, zur Blockierung eines Projekts im Wert von 1.2 Milliarden Euro. In Österreich mündete ein unter dem Druck der Rechtsextremen organisiertes Referendum in einem Bauverbot auf 99.93 % der Fläche eines ganzen Bundeslandes, was Investitionen von 600 Millionen Euro gefährdete. In mehreren Ländern hat die Radikalisierung der Debatte sogar zu physischen Sabotageakten auf Windkraftbaustellen geführt.
Auch Politiker und Medien sind auf diesen Diskurs aufgesprungen, da er sich in den Netzwerken immer weiter verbreitet. Viele von uns haben es selber erfahren: Positive Posts zu Windenergie in sozialen Medien werden von der Antiwindkraft-Szene fast ausnahmslos ins Lächerliche gezogen.
Was das für die Schweiz bedeutet
Die Schweiz ist nicht immun gegen diese Dynamiken. Die in den Nachbarländern kursierenden Narrative überschreiten Grenzen ohne Pass. Die europäischen Antiwindkraft-Gruppen kooperieren miteinander. Die NZZ wird im Bericht von WindEurope übrigens als Beispiel für ein Mitte-rechts-Medium genannt, das sich immer wieder irreführend über die Energiewende in Deutschland äussert und den Ausbau der Windenergie als gescheitert darstellt.
Negative Bewertungen zu LinkedIn-Posts von Suisse Eole, in denen wir über Windenergie informieren, sind die Regel.
Dringender struktureller Bedarf
Dabei hat gerade die Schweiz einen dringenden strukturellen Bedarf, die Windenergie auszubauen. Ihr winterliches Stromdefizit kann nur durch Quellen gedeckt werden, die tatsächlich auch im Winter produzieren. Windenergie ist diese Quelle. Die in einer Volksabstimmung gebilligte Energiestrategie 2050 setzt ein Ziel von 4.3 TWh jährlicher Windenergieproduktion. Gemäss einer Potenzialstudie des Schweizer Bundesamts für Energie wäre ein Vielfaches davon möglich. Doch davon sind wir heute noch weit entfernt. Das ist auch der internationalen Desinformationskampagne geschuldet.
Die Mechanismen der Desinformation zu verstehen, bedeutet, die Mittel bereitzustellen, um ihr zu begegnen – mit Fakten, Pädagogik und Transparenz. Das ist die Schlussfolgerung des Berichts von WindEurope. Das ist auch der Anspruch von Suisse Eole, unterstützt von seinen Mitgliedern und den Behörden.
Hier gelangen Sie zum Bericht von WindEurope: „Wind Energy Dis- and Misinformation – Undermining Europe’s Security and Competitiveness“.
Text: Suisse Eole