18. Dezember 2025
Suisse Eole Behördenseminar: Von Good News aus der Branche über Windmessungen im Kanton Freiburg und gebündelten Verfahren bis zu Einzelwindanlagen
«Der Kanton Appenzell hat seinen Richtplan und das nationale Parlament in Bern den Beschleunigungserlass verabschiedet, der Bundesrat lehnt die Verhinderungs-Initiativen von Freie Landschaft Schweiz ohne Gegenvorschlag ab und der Windpark Sur Grati ist im Bau.» Mit diesen Good News begrüsste Lionel Perret, Geschäftsleiter von Suisse Eole, die rund 50 Personen aus den kantonalen Ämtern am jährlichen Behördenseminar von Suisse Eole, das am 29. Oktober 2025 in Bern stattfand.

Lionel Perret, Geschäftsleiter von Suisse Eole, begrüsste die rund 50 Personen aus den kantonalen Ämtern am jährlichen Behördenseminar. Bild: Suisse Eole
Und er wartete noch mit weiteren guten Neuigkeiten auf: Nach einem langwierigen Verfahren hat der Kanton Waadt sämtliche Einsprachen gegen den Park EolJorat Sud abgewiesen und die Baugenehmigung erteilt. «Zudem werden oberhalb von Andermatt zurzeit vier neue Windräder in Betrieb genommen – zwei, die sich in Besitz der Windpionierin EW Ursern befinden, und zwei, die der Energie Uri gehören», berichtete Lionel Perret.
Basel-Landschaft: Überarbeitung Richtplan
Im Kanton Basel-Landschaft wurde 2013 erstmals das Windenergiepotenzial erhoben. Nun wird, berichtete Rita Kobler, Leiterin Erneuerbare Energien, Amt für Umweltschutz und Energie, der Richtplan überarbeitet, der unter anderem auch die Potenziale in BLN-Gebieten einbeziehen soll, die im ersten Wurf 2013 noch ausgeschlossen waren. Gemeinsam mit Laura Chavanne, Leiterin Abteilung Kantonsplanung, Amt für Raumplanung, gab sie Einblick in die Methodik der Interessenabwägung, die seit dem neu geltenden Vorrang der Windenergie nochmals an Bedeutung gewinnt. Zudem erklärten die beiden Fachfrauen, dass der Kanton eine Arbeitshilfe für Entwickler und Planer erarbeitet. Abschliessend sprachen sie sich für eine Bündelung der Verfahren auf Kantonsstufe aus, damit die Projekte auch rascher umgesetzt werden können.

Gemeinsam mit Laura Chavanne, Leiterin Abteilung Kantonsplanung, Amt für Raumplanung, gab sie Einblick in die Methodik der Interessenabwägung, die seit dem neu geltenden Vorrang der Windenergie nochmals an Bedeutung gewinnt. Bild: Suisse Eole
Windmessungen im Kanton Freiburg
Der Kanton Freiburg, einer der windreichsten Kantone der Schweiz, sieht sich starkem Gegenwind seitens der Windkraftgegner ausgesetzt. Serge Boschung, Leiter des Amts für Energie des Kantons Freiburg: «Der vom Bundesrat genehmigte kantonale Richtplan wurde von Paysage Libre und seinen Oragisationen im Grossen Rat, vor Gericht und sogar vor der WEKO angefochten. Um das Vertrauen in dieses Dossier wieder herzustellen, hat der Grosse Rat den Staatsrat beauftragt, auf allen im Richtplan ausgewiesenen Standorten das Windaufkommen zu messen. Gleichzeitig überprüft ein Lenkungsausschuss ebenfalls im Auftrag des Grossen Rates die Planung. Im Jahr 2025 wurden vier Messmasten aufgestellt, die Windmessungen werden ein Jahr lang durchgeführt. «Auf unserer Website www.freiburg-wind.ch werden die Ergebnisse der Messungen laufend veröffentlicht. Sollte einer der Standorte die Prognosen nicht erfüllen, wird er aus dem Richtplan gestrichen», erklärte Serge Boschung. Für 2026 sucht der Kanton noch drei Grundeigentümer für die verbleibenden Standorte, um Messmasten aufzustellen. Das Bundesamt für Energie unterstützt das Messprojekt finanziell.
News aus dem BFE
Saskia Bourgeois vom Bundesamt für Energie (BFE) erinnerte die Behördenvertretenden daran, dass die Windparkprojekte, die vom Windexpress profitieren können, dem BFE gemeldet werden müssen, sobald dieses Verfahren in Anspruch genommen wird. Sie stellt fest, dass von den Kantonen Neuenburg, Solothurn und Waadt noch keine einzige Meldung eingegangen ist. «Für den unter den Windexpress fallenden Projekte», erklärte sie, «erteilt der Kanton die Baubewilligung. Allfällige Rekurse können nur noch bis vor das Kantonsgericht weitergezogen werden. Bourgeois bittet die Kantone, ihre Windexpress-Projekte dem BFE zu melden, sobald sie aufgelegt werden. «Falls es kein Referendum gegen den Beschleunigungserlass gibt», führte sie weiter aus, «wird ab dem 1. April 2026 das kantonale Plangenehmigungsverfahren eingeführt. Für Kantone, die den dafür nötigen gesetzlichen Rahmen noch nicht eingeführt haben, kann dieser in der Zwischenzeit auf Verordnungsstufe angewendet werden.» Julian Ferber, ebenfalls vom BFE, informierte die Teilnehmenden über die neuen Kommunikationsmassnahmen des Bundes, das sind u. a. ein Stand sowie eine neue Broschüre: «Zudem nehmen wir gerne an ihren lokalen Anlässen teil.» Er erwähnte, dass das BFE gerne weiterhilft, am einfachsten geht das, wenn eine Anfrage an [email protected] gestellt wird.
3 TWh Stromproduktion bis 2030
Nico Kiffer, Projektleiter bei Suisse Eole, gab einen Überblick über die bereits fortgeschrittenen Windkraftprojekte mit insgesamt 458 Windenergieanlagen und einer geschätzten Jahresproduktion von rund 3 TWh Strom. In Bezug auf die Abstimmungen betonte er: «Seit 2012 haben 34 Gemeinden, Städte und Behörden über 26 konkrete Windkraftprojekte abgestimmt. 22 Windparks wurden genehmigt und nur 5 abgelehnt. Dies zeigt, dass Windkraftprojekte auf kommunaler Ebene auf grosse Akzeptanz stossen!»
Nachschlagewerk Bundesgerichtsurteile
Suisse Eole erstellt zurzeit mit Hilfe der Juristin Marion de Coulon ein Nachschlagewerk über Bundesgerichtsurteile im Bereich Windenergie. Olivier Waldvogel, Geschäftsleiter Deutschschweiz, erklärte: «Es wird eine vertiefte und umfassende rechtliche Analyse der jüngsten Bundesgerichtsurteile über alle relevanten Themenbereiche beinhalten.» Dafür wurden die Urteile zu den Windparks Bel Coster, Charrat, EolJorat Sud, Mollendruz, Montagne de Buttes, Montagne de Tramelan und Sur Grati studiert. «Ziel unserer Arbeit ist die Erstellung einer Grundlage zur rechtssicheren Planung von Windenergieprojekten und zur Identifikation von Blockaden. Gleichzeitig soll das Nachschlagewerk Behörden bei der Ausarbeitung von Empfehlungen, Richtlinien und Stellungnahmen unterstützen.» Marion de Coulon fasst einige wichtige Resultate der Analysen zusammen. Besonders hervorzuheben sei, dass die kantonalen Arbeiten rund um die Richtpläne ausnahmslos vom Bundesgericht bestätigt wurden. Suisse Eole wird seine Mitglieder über die Veröffentlichung des Nachschlagewerks informieren.

«Wir erwarten in Kürze die Baugenehmigungen für die Windparks Mollendruz, EolJorat Sud, Bel Coster und Grandsonnaz», erklärte Victor Braune, Stellvertreter des Direktors für Energie des Kantons Waadt. Bild: Suisse Eole
Sondernutzungsplanung im Kanton St. Gallen
Marcel Knörri, Projektleiter Energiedaten / Stv. Abteilungsleiter der Abteilung Energie des Kantons St. Gallen informierte die Teilnehmenden über das kantonal gebündelte Verfahren im Kanton St. Gallen: «Bei uns ist die Regierung für die Bewilligung der Sondernutzungsplanung für Windenergieprojekte zuständig. Es sind bereits 11 Projekte gestartet und wir sind selber überrascht, wie schnell und gut wir voranschreiten.» Damit sind rund 40 bis 60 Windräder in Planung: «Wir sind auf Kurs, um unser Ziel von 300 GWh Windstrom bis 2050 zu erreichen», freut sich Knörri. Die von den Projektanten durchgeführten Infoveranstaltungen seien wichtig. Man müsse der Bevölkerung Raum geben, auch für kritische Voten: «Wir stellen jedoch fest, dass eine grosse Mehrheit der Bevölkerung für die Nutzung der Windenergie ist, und nur eine kleine Minderheit dagegen.»
Gebündelte Verfahren auch im Kanton Luzern
Sybille Landolt, Kanton Luzern, Fachspezialistin Massnahmenplan Klima und Energie, Windenergie im Kanton Luzern, berichtet zum einen über den teilrevidierten Richtplan, der Ende Oktober 2024 vom Bundesrat genehmigt wurde, und zum anderen vom neuen kantonalen Plangenehmigungsverfahren, das am 1. Januar 25 in Kraft trat: «Die Luzernerinnen und Luzerner setzten am 24. November mit dem deutlichen Ja-Stimmen-Anteil von 69 % zum neuen Planungs- und Baugesetz ein wichtiges Signal, unter anderem zum rascheren Ausbau der Windenergie. Gemeinsam mit dem Richtplan, der neu 22 Windgebiete umfasst, bildet das Gesetz die Basis für unser Ziel, bis 2050 jährlich 250 GWh Windstrom zu produzieren.» Mit dem neuen Gesetz entfällt die Abstimmung in der Gemeinde. Die stehen allerdings hinter dem Gesetz, nur 5 von 80 Gemeinden haben die Vorlage abgelehnt. Sie bleiben auch weiterhin stark in die Planungs- und Bewilligungsprozesse einbezogen. Sybille Landolt: «Die Projektentwickler erarbeiten gemeinsam mit den Gemeinden ein Mitwirkungskonzept. Zudem ist auch eine finanzielle Beteiligung der Gemeinden gesetzlich verankert.» Als Hilfestellung für die betroffenen Akteure entwickelte der Kanton zudem eine Wegleitung zum Verfahren und den Leidfaden «Kollaborative Planung von Windparkprojekten».
Neues kantonales Verfahren im Kanton Schaffhausen
Auch im Kanton Schaffhausen ist ein neues Baugesetz seit dem 1. August 2025 in Kraft, das unter anderem deutliche Erleichterungen für Windenergieprojekte bringt, berichtete Dominik Müller der Energiefachstelle Kanton Schaffhausen: «Dagegen wurde zwar ein Referendum ergriffen, aber im Mai 2025 stimmte das Volk dem neuen Gesetz mit deutlicher Mehrheit zu.» Das neue kantonale gebündelte Verfahren für Windparks soll dem Potenzial von insgesamt 104 GWh Windstrom zur Umsetzung verhelfen. «Die Nähe zu Deutschland und damit zur Windenergienutzung hilft sicher, dass der Kanton in Sachen Windenergie vorwärts macht», erklärte Dominik Müller. Dass man von Schaffhausen aus freie Sicht auf den Windpark Verenafohren habe, trage auch dazu bei. Das am weitesten fortgeschrittene Windenergieprojekt ist das von Chroobach, doch leider stellt sich die Gemeinde quer. Zurzeit klären Juristen, ob der Kanton das Projekt übernehmen kann.
Windräder für KMU – das ARE klärt auf
Windräder können für KMU eine verlässliche und kostengünstige Energieversorgung sicherstellen – Beispiele aus dem angrenzenden Ausland zeigen dies deutlich. Mit nur einer Anlage sind einige Betriebe sogar in der Lage sich vollständig mit eigenem Strom zu versorgen. Mattia Cattaneo, Koordinator Erneuerbare Energien, Infrastruktur und Umwelt beim Bundesamt für Raumentwicklung ARE, erläuterte: «Bei der Planung einzelner Windkraftanlagen, die höher als 30 Meter sind, nicht in einem geeigneten Gebiet liegen, und innerhalb der Bauzone geplant werden, hat der Kanton im Einzelfall zu prüfen, ob von dieser Anlage gewichtige Auswirkungen auf Raum und Umwelt ausgehen – ein sogenannter «Richtplanrelevanz-Check». Auf dieser Grundlage ist zu entscheiden, ob ein Richtplaneintrag notwendig ist.» Weiter führte er aus: «Das ARE geht davon aus, dass eine einzelne Anlage in der Bauzone die Schwelle für ein Vorhaben nach Artikel 8 Absatz 2 RPG im Normalfall nicht erreichen wird.»
Überarbeitung Konzept Windenergie
Mattia Cattaneo berichtet auch, dass aktuell das Konzept Windenergie des Bundes überarbeitet werde. Was den Beitrag der Kantone zur Windenergieproduktion bis 2050 gemäss der Energiepolitik des Bundesrats betrifft, so fänden zurzeit Diskussionen innerhalb der Bundesverwaltung statt. Grund der Anpassung sind unter anderem die anfangs 2025 in Kraft getretenen Bestimmungen des Mantelerlasses (EnG/StromVG), wodurch sich die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Ausscheidung von für die Nutzung der Windenergie geeigneten Gebiete im kantonalen Richtplan verändert haben: «Der Bundesrat wird das neue Konzept Windenergie voraussichtlich Ende 2026 publizieren.» .
Kanton Waadt: Vier Baugenehmigungen stehen noch aus
«Wir erwarten in Kürze die Baugenehmigungen für die Windparks Mollendruz, EolJorat Sud, Bel Coster und Grandsonnaz», erklärte Victor Braune, Stellvertreter des Direktors für Energie des Kantons Waadt. „Mollendruz und EolJorat Sud werden vom Windexpress profitieren, Bel Coster hat den Kanton gebeten, das Projekt zu verwalten.“ Der Kanton Waadt kennt die Möglichkeit eines koordinierten kantonalen Verfahrens, jedoch nur auf Antrag der Gemeinden. „Mit dem Windpark Sur Grati befindet sich der zweite Windpark auf unserem Gebiet im Bau“, freute sich Victore Braune. Der Kantonsvertreter betonte auch, dass die Studie zur Vogelwelt im Windpark Ste-Croix gezeigt habe, dass Romande Energie hervorragende Arbeit geleistet habe (siehe News vom 11.11.25 >>). Der Kanton wird in Kürze auch das Protokoll zur Messung der Lärmemissionen für Windparks veröffentlichen. Der Windpark Ste-Croix wird der erste sein, der es einsetzen wird.
Der Austausch unter den kantonalen Behörden wird von Suisse Eole im Auftrag vom Bundesamt für Energie jährlich durchgeführt. Das nächste Behördenseminar findet m Herbst 2026 statt.