5. Mai 2026
Studie der Universität St. Gallen: Drei von Viertel der Befragten stimmen Windpark «Petra und Paula» zu
Eine Studie der Universität St. Gallen hat die Haltung der St. Galler Bevölkerung zu einem hypothetischen Windpark «Petra und Paula» am Stadtrand anhand einer realistischen Fotomontage untersucht. Drei Viertel der Befragten würden dem Projekt zustimmen. Studienleiter Rolf Wüstenhagen kommentiert dazu: «Der Krieg im Nahen Osten unterstreicht die Bedeutung von einheimischer Energie. Windenergie kann einen wichtigen Beitrag zur Diversifikation unserer Energieversorgung leisten, und stösst in weiten Kreisen der St. Galler Bevölkerung auf Zustimmung.»

Im gesamten Untersuchungsgebiet antworteten 75.4 % mit «Ja» (45.3 %) oder «Eher Ja» (30.1 %). In der Stadt St. Gallen ist die Zustimmung noch etwas höher als in den umliegenden Gemeinden: Hier antworteten 52 % der Befragten mit einem klaren «Ja». Bild: HSU
Forschende des Institute of Responsible Innovation, Sustainability and Energy (RISE-HSG) haben in einer repräsentativen Befragung untersucht, wie die St. Galler Bevölkerung zur Windenergie steht. Die Studie ging der Frage nach, welche Faktoren die lokale Akzeptanz eines hypothetischen Windparks in der Region St. Gallen beeinflussen, ob sich ein Windzins positiv auswirken würde und welche Rolle emotionale Dynamiken dabei spielen.
Den Befragten wurde der hypothetische Windpark «Petra und Paula» am Rande der Stadt St. Gallen anhand einer realistischen Fotomontage vorgestellt. Anschliessend wurden sie gefragt, ob sie das Projekt annehmen würden, falls am nächsten Sonntag darüber abgestimmt würde. Im gesamten Untersuchungsgebiet antworteten 75.4 % mit «Ja» (45.3 %) oder «Eher Ja» (30.1 %). In der Stadt St. Gallen ist die Zustimmung noch etwas höher als in den umliegenden Gemeinden: Hier antworteten 52 % der Befragten mit einem klaren «Ja».
Schlussfolgerungen für künftige Windenergie-Projekte
Während die Studie die Präferenzen der Bevölkerung in Bezug auf einen hypothetischen Windpark am Rande der Stadt St. Gallen erhoben hat, lassen sich daraus auch Erkenntnisse für die Entwicklung tatsächlicher Projekte ableiten. Zu erwähnen ist, dass der Kanton St. Gallen in seinem Richtplan bereits 15 Wind-Eignungsgebiete identifiziert hat, darunter auch zwei in der Nähe der Stadt St. Gallen.
- Die Grundhaltung in der Bevölkerung ist mehrheitlich positiv.
Eine Mehrheit der Befragten steht der lokalen Nutzung der Windenergie positiv oder eher positiv gegenüber – sowohl in der Stadt als auch in benachbarten Gemeinden. Projektentwickler können darauf aufbauen. - Die kleine Gruppe entschiedener Gegner ist emotional besonders stark aktiviert.
Projektentwickler sollten sich bewusst sein, dass diese Gruppe zwar in der Minderheit ist, aber überdurchschnittlich starke Gefühle empfindet. Das kann ihr in öffentlichen Debatten besonderes Gewicht verleihen. - Finanzielle Beteiligung kann die Akzeptanz erhöhen – allerdings nicht bei allen gleich stark.
Finanzielle Beteiligung, etwa in Form eines Windzinses oder der Möglichkeit für Kleininvestoren, Anteile an einem Windpark zu erwerben, kann die wahrgenommene Verteilungsgerechtigkeit erhöhen und sich dadurch positiv auf die Akzeptanz auswirken. Dies kann die ohnehin vorhandene positive Einstellung von Befürwortern weiter verstärken, verändert jedoch wenig an der Haltung der Gegner. - Stärker als finanzielle Anreize wirken glaubwürdige Projektmerkmale.
Grössere positive Effekte sind durch die Wahl des Technologielieferanten («made in Europe»), die Verwendung nachhaltiger Materialien und den Einbezug regional verankerter Akteure in die Trägerschaft des Windprojekts zu erwarten.
Studienleiterin Martina Rothenberger kommentiert dieses Ergebnis wie folgt: «Wir beobachten eine asymmetrische emotionale Aktivierung – lediglich 11 % der Befragten würden den Windpark ‘Petra und Paula’ ablehnen. Diese Gruppe bringt jedoch starke Gefühle zum Ausdruck, was ihr oft überproportional viel Aufmerksamkeit beschert.»
Weitere Informationen zum Projekt finden sich auf der Webseite des Instituts: rise.unisg.ch/en/research/management-of-renewable-energies/ongoing-projects/parti-dynaccep >>