19. Mai 2026

WWEA-Jahresbericht 2025: Neuinstallationen mit 169 GW Leistung – Windenergie deckt über 11 % der weltweiten Strombedarfs

Das Jahr 2025 markierte einen Wendepunkt für die globale Windkraftbranche. Nach vorläufigen Statistiken der World Wind Energy Association (WWEA) wurden weltweit 169'014 MW an Windkraftleistung neu installliert – ein Anstieg von 35 % gegenüber 2024. Dadurch erhöhte sich die weltweit installierte Gesamtleistung auf 1'346'866 MW. Dieser Anstieg ist die höchste jährliche Wachstumsrate seit 2020. Windenergie erzeugt nun fast 3000 Milliarden Kilowttstunden Strom und deckt über 11 % des weltweiten Strombedarfs.

Kummulierte Leistung

Entwicklung kummulierte Leistung 2016-2025. Bild. WWEA

Getrieben wurde der Rekord-Zubau vor allem durch China, das mit der Installation von 130 GW in einem Jahr allein 77 % der weltweiten Zuwächse ausmachte. Das Reich der Mitte hat nun einen Anteil von über 50 % an der globalen Windkraftleistungleistung.

Windkraftboom nur in einer Handvoll Ländern
Ausserhalb Chinas war das Wachstum jedoch uneinheitlich. Zwar erreichten die Neuinstallationen 38.7 GW, der Zubau war also etwas höher als im Jahr 2024. Damit war der Zubau allerdings geringer als 2023, als 44 GW neu installiert wurden. Diese Zahlen belegen einen bedenklichen Trend: Der Windkraftboom konzentriert sich auf eine Handvoll Länder: China, Indien, Vietnam, Chile und die Türkei führen die Entwicklung an, während traditionelle Märkte wie Deutschland und die Vereinigten Staaten nur bescheidene Beiträge zum Zubau leisten.

Der Umfang der neu installierten Leistung entspricht einer globalen Wachstumsrate von 14.3 %. Das liegt deutlich über dem Wert von 2024, als der Zuwachs der Windenergieleistung nur 11.9 % betrug. Seit 2016 wies nur das Jahr 2020 eine ähnliche hohe Wachstumsrate auf, in allen anderen Jahren war das globale Wachstum geringer.

Nur fünf Länder mit Wachstumsraten über globalem Durchschnitt
Von den dreissig führenden Ländern wiesen nur fünf Länder Wachstumsraten über dem globalen Durchschnitt auf: China mit 23.2 %, die Türkei mit 15.5 %, Vietnam mit einer Rekordrate von 50.8 %, – damit war das Land 2025 der dynamischste Markt – sowie Chile als zweitdynamischster Markt mit einem Anstieg von 23.9 %. Indien zeigte mit 13.1 % ebenfalls eine dynamische Entwicklung, lag jedoch leicht unter dem globalen Durchschnitt.

Grafik Rund

Total installierte Leistung nach Ländern. Bild: WWEA

Einige der früher starken Märkte verzeichneten 2025 ein sehr bescheidenes Wachstum, das unter 7 % lag: Dazu gehören die USA mit 4.1 % (ein Anstieg von 2.8 % gegenüber 2024), Deutschland mit 6.3 % (4.6 % im Jahr 2024), das Vereinigte Königreich mit 3.1 % (was verglichen mit den 6.4 % im Jahr 2024 einem starken Rückgang gleichkommt) und Spanien mit 3.3 % (4.5 % im Jahr 2024). Auch in Brasilien, das 2025 auf eine Wachstumsrate von 6.7 % kam, also deutlich geringer als die 17.7 % im Jahr 2024, und in Frankreich mit 5.2 % (2024 noch 5.8 %) verlangsamte sich das Wachstum der Windenergie.

Länder mit dem grössten Marktvolumen
Die Länder mit dem grössten Marktvolumen für neue Windkraftanlagen im Jahr 2025 verzeichneten einen Zubau an neu installierter Leistung von über 2 GW: An der Spitze lag China (130 GW), gefolgt von Indien (6300 MW) und den Vereinigten Staaten (6272 MW), dahinter platzierten sich Deutschland (4602 MW), Vietnam (2493 MW), Brasilien (2244 MW) und die Türkei (2142 MW).

Ende 2025 verfügten 46 Länder über eine installierte Leistung von mehr als 1000 MW, das sind zwei Länder mehr als im Jahr 2024. Die Neuzugänge im Club der Ein-Gigawatt-Länder sind Serbien und Peru, die 2025 rund 460 bzw. 270 MW an neuen Anlagen zubauten.

Neu Installierte Leistung

Jährlicher Zubau 2016-2025. Bild: WWEA

Windenergie überholt Atomkraft
Der Beitrag der Windenergie an die weltweite Stromversorgung war noch nie so hoch wie heute. 2025 erzeugten Windkraftanlagen genug Strom, um mehr als 11 % des weltweiten Bedarfs zu decken. Damit überholten sie die Atomkraft und näherten sich den fossilen Energiequellen an. Dieser Meilenstein spiegelt nicht nur die rasante Entwicklung des Sektors wider, sondern zeigt auch, dass Windenergie zunehmend eine Rolle als zuverlässige Energiequelle spielt.

Auf nationaler Ebene entspricht der Anteil der Windenergie an der Stromversorgung mittlerweile in mehr als 30 Ländern dem weltweiten Durchschnitt oder liegt sogar darüber. China erzeugte im vergangenen Jahr 10.8 % seines Stroms aus Windenergie und lag damit sehr nahe am globalen Durchschnitt. Die WWEA erwartet, dass der Anteil der Windenergie an der Stromversorgung in China ab diesem Jahr über dem globalen Durchschnitt liegen wird.

Vorreiter Dänemark
12 Länder erzeugen mittlerweile mehr als 20 % ihres Stroms aus Windenergie. Dabei nehmen Dänemark, Deutschland, das Vereinigte Königreich, die Niederlande, Irland und Uruguay mit einem Anteil von über 30 % eine Vorreiterrolle ein. Insbesondere Dänemark sticht als globaler Champion hervor: Das Land in Skandinavien erzeugt mehr als die Hälfte seines Stroms aus Windkraft. Diese Beispiele belegen, dass ein weltweiter Anteil von 40 % Windenergie an der Stromversorgung bis 2050 – wie von der WWEA angestrebt – nicht nur ein Wunschziel, sondern durchaus realisierbar ist.

Neuer Rekord
Mit einer installierten Leistung von 1’346’866 Megawatt hat die Welt einen neuen Rekord bei den Gesamtinstallationen erreicht, nachdem 2024 die Erwartungen und Prognosen verfehlt wurden. Wie erwartet fanden einige der ursprünglich für 2024 vorgesehenen Neuinstallationen erst 2025 statt.

Herausforderungen
Da davon auszugehen ist, dass sich das Wachstum in China auf dem gleichen Niveau wie 2025 fortsetzen wird, liegt der Schlüssel zur Erreichung ehrgeizigerer globaler Ziele ausserhalb Chinas. Der Rest der Welt muss den Ausbau der Windenergie erheblich beschleunigen, um mehr globales Wachstum zu erzielen.

Während viele Länder ihre Anstrengungen zum Ausbau ihrer Windenergie verstärken, haben die jüngsten Entwicklungen vor allem in den USA für enorme Unsicherheit gesorgt. Dies betrifft nicht nur die Zukunft des US-Markts, sondern auch die Funktionsfähigkeit und Zuverlässigkeit internationaler Lieferketten.

Verzögerungen bei Genehmigungen und Planung
Eine der hartnäckigsten Hürden für den Ausbau der Windenergie ist der langwierige Genehmigungsprozess für neue Windkraftprojekte. Laut WWEA dauert das Genehmigungsverfahren im Durchschnitt mehr als fünf Jahre – in einigen Ländern sogar ein Jahrzehnt oder länger. Das ist in einer Branche, in der sich Technologie und Nachfrage rasch weiterentwickeln, nicht tragbar. Eine Straffung dieser Prozesse auf zwei Jahre oder weniger könnte erhebliches Wachstumspotenzial freisetzen, insbesondere beim Repowering älterer Anlagen. Denn dadurch kann sich die Leistung an bestehenden Standorten verdreifachen oder gar vervierfachen.

Repowering als Chance
Mittlerweile haben Anlagen mit über 400’000 MW der installierten Windkraftleistung bereits eine Lebensdauer von zehn Jahren oder mehr erreicht. Hier bietet der Ersatz durch Anlagen, die dem neuesten Stand der Technik entsprechen, grosses Potenzial. Ein solches Repowering kann die bisher installierte Leistung um den Faktor 3 bis 4 erhöhen, daher sollte es per Gesetz gefördert werden – derzeit sehen sich Repowering-Projekte jedoch oft noch mit erheblichen regulatorischen Hindernissen konfrontiert, die beseitigt werden müssen, will man das enorme Potenzial heben.

Zum Bericht auf Englisch auf der Website des WWEA

Text: Suisse Eole, Quelle: WWEA