25. August 2026

5-mal mehr Windenergieleistung in der Pipeline als im Betrieb!

„Jede in der Schweiz produzierte Kilowattstunde erhöht unsere Versorgungssicherheit. Jedes realisierte Windenergieprojekt stärkt die Resilienz unseres Stromsystems,“ eröffnete Benoît Revaz, Direktor des Bundesamts für Energie, die Nationale Windenergietagung vom 25. August 2026 im Rathaus in Bern.

Nationale Windenergietagung Bern 2026.
Benoît Revaz, Direktor Bundesamt für Energie.
Bern, 25.08.2026






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Benoît Revaz: „Jede zusätzliche Kilowattstunde Winterstrom reduziert unsere Importabhängigkeit und stärkt die Versorgungssicherheit unseres Landes." Bild: Corinne Aeberhard

„Wenn ich in diesen Saal blicke, sehe ich nicht einfach Projektentwickler, Planerinnen, Ingenieure oder Betreiber. Ich sehe Menschen, die daran arbeiten, eines der zentralen energiepolitischen Ziele unseres Landes zu erreichen: eine sichere, klimafreundliche und unabhängige Stromversorgung“, richtete sich Benoît Revaz an die rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer.  

Strategische Investition in unsere Souveränität 
Er unterstrich: „Jede zusätzliche Kilowattstunde Winterstrom reduziert unsere Importabhängigkeit und stärkt die Versorgungssicherheit unseres Landes. Deshalb hat die Windenergie im Strom- und im Energiegesetz einen wichtigen Platz erhalten.“ Revaz weiter: „Die Nutzung der heimischen Ressourcen ist deshalb nicht nur eine energiepolitische Aufgabe. Sie ist auch eine strategische Investition in die Handlungsfähigkeit und Souveränität unseres Landes.“ 

Diese Energie ist niemandes Eigentum 
„Jedes Windrad, das wir installieren, ist nicht nur eine Maschine, die Strom erzeugt. Es ist eine Versicherung für die Zukunft. Es ist eine Garantie dafür, dass auch unsere Kinder noch über eine Energie verfügen, die in ihrem Land erzeugt wird, und zwar aus einer Ressource, die niemandes Eigentum ist: der Wind“, unterstrich auch Isabelle Chevalley, Präsidentin von Suisse Eole, in ihrem Grusswort. 

Die Pipeline übertrifft die Zielsetzungen für 2030
„Das Jahr 2026 hat gezeigt, dass Windkraft nicht nur eine reine Wintertechnologie ist, sondern auch ein Grundpfeiler der erneuerbaren Energien, der in schwierigen Zeiten, bei hohem Verbrauch und auch im Sommer unverzichtbar ist,“ erklärte Lionel Perret, Direktor von Suisse Eole, in seiner Präsentation. Im Jahr 2025, unterstrich er, kamen weltweit 165 GW Windkraftleistung hinzu, 40 % mehr als 2024: „In Europa wurden über 19 GW Leistung installiert. In der Schweiz sind bereits 15-mal mehr Projekte in der Pipeline als Windkraftanlagen im Betrieb! Damit übertrifft sie bereits das Ziel auf Bundesebene für 2030.“ Wenn die kantonalen Richtpläne genauso zügig umgesetzt werden, ist das Ziel von 5 Terawattstunden von Suisse Eole für 2035 realistisch.   

Windmessungen bestätigt
Serge Boschung, Leiter des Amts für Energie des Kantons Freiburg, erläuterte, dass die zur Windkraftplanung des Kantons verwendeten Windmessungsmodelle insbesondere im Rahmen einer grossangelegten Gegenkampagne, die von der Organisation Freie Landschaft Schweiz angeführt wurde, stark in Zweifel gezogen wurden. Im Auftrag des Grossen Rates hat der Staatsrat eine Messkampagne zur Überprüfung der Winddaten in den sieben, im kantonalen Richtplan ausgewiesenen Windgebieten durchgeführt. 

Serge Boschung weiter: „Die Messkampagne wird ungefähr 1.9 Millionen Schweizer Franken kosten, hat im Februar 2025 begonnen und wird bis Mitte 2027 dauern. Nach einem Jahr konnten bisher zwei Berichte für die Standorte Côte du Glâney und Surpierre fertiggestellt werden. Ich freue mich über die Tatsache, dass die Messungen die Daten aus 2017 für die jeweiligen Standorte bestätigen. Ausserdem hat ein neutrales, unabhängiges Expertengutachten die Richtigkeit der damaligen Windmodellierungen untermauert.

Nationale Windenergietagung Bern 2026.
Lionel Perret, Geschäftsleiter Suisse Eole.
Bern, 25.08.2026






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Lionel Perret: "In der Schweiz sind bereits 15-mal mehr Projekte in der Pipeline als Windkraftanlagen im Betrieb! Damit übertrifft sie bereits das Ziel auf Bundesebene für 2030.“Bild: Corinne Aeberhard

Akzeptanz entsteht nicht in der Theorie  
„Ausdauer und Durchhaltewillen haben uns weit gebracht. Jetzt müssen wir geschlossen dranbleiben – bis wir gemeinsam die Ziellinie überqueren“, erklärte Olivier Waldvogel, Geschäftsleiter Deutschschweiz von Suisse Eole, in seinem Referat zu den Erfolgen auf politischer Ebene. Bezüglich der Anti-Windkraft-Initiativen ist er überzeugt, dass „die Verhinderungsinitiativen nicht nur eine Herausforderung, sondern auch eine Chance sind: Mit einem klaren Nein können wir ein starkes Signal für die Windenergie setzen. Dafür braucht es jede und jeden von uns! Noch sei das Ziel nicht erreicht, aber: „Jedes neu gebaute Windrad zählt. Denn Akzeptanz entsteht nicht in der Theorie, sondern dort, wo Menschen erleben, was Windenergie wirklich bedeutet.“ 

14 Pro-Wind-Vereine  
Genau das unterstrich auch Cyprien Louis, Präsident von Pro Eole Schweiz: „Der Windausbau kann nicht nur in den Büros der Planer oder der Behörden stattfinden, er muss auch von der Zivilgesellschaft mitgetragen werden. Mit den 14 Pro-Wind-Vereinen haben wir ein Netzwerk engagierter Bürgerinnen und Bürger in den Regionen geschaffen, die informieren, in den Dialog gehen und eine konkrete Energiewende vor Ort verteidigen können.“ 

Nationale Windenergietagung Bern 2026.
Serge Boschung, Service de l’énergie du Canton de Fribourg.
Bern, 25.08.2026






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Serge Boschung: "Ich freue mich über die Tatsache, dass die Messungen die Daten aus 2017 für die jeweiligen Standorte bestätigen. Ausserdem hat ein neutrales, unabhängiges Expertengutachten die Richtigkeit der damaligen Windmodellierungen untermauert.“ Bild: Corinne Aeberhard

Vorausschauende Planung der Schritte nach der Baugenehmigung 
Die Rechtsanwältin Yasmine Sözerman, die zahlreiche Windkraftprojekte begleitet hat, unterstrich in ihrer Rede: „Mit der Erteilung der rechtskräftigen Baugenehmigung sind ja nicht alle Fragen im Zusammenhang mit dem tatsächlichen Bau eines Windparks beantwortet, im Gegenteil. Mehrere wichtige Schritte stehen dann noch aus: die Wahl des Modells, das Management eventueller Änderungen, die Durchführung von Kompensationsmassnahmen, Grundstücksfragen, die Netzanbindung sowie die bei Pronovo erforderlichen Schritte brauchen alle einen ausreichenden Vorlauf.“ Die Rechtsanwältin erläuterte, dass die vorausschauende Planung in allen Bereichen von wesentlicher Bedeutung ist: „Der Erfolg eines Windprojekts hängt nicht nur von der Erteilung einer rechtskräftigen Baugenehmigung ab, sondern von der Fähigkeit, alle diese Schritte nach der Erteilung vorauszuplanen, damit der Übergang von der Planung zur Bauausführung optimal, ohne Verzögerungen oder neue, unnötige Verfahren verläuft.“  

Repowering des Windparks Lomont 
Als Träger des ersten, in der Region Franche-Comté installierten Windparks haben sich die Gemeinden Valonne und Vyt-lès-Belvoir aus dem Vallon de Sancey zu Vorreitern der Energiewende gemacht. Laurent Kientzel, Leiter der Abteilung Repowering und Erneuerung von Assests bei ERG Developpement France, erklärte: „Die Windräder von Lomont haben ihren Platz in der Landschaft eingenommen und sind mittlerweile zu einem Wahrzeichen der Region geworden, das sogar im Logo des Gemeindeverbands Pays de Sancey-Belleherbe und der lokalen Akteure seinen Platz findet. Deshalb versteht es sich von selbst, dass das erste Repowering-Projekt nach 15 Betriebsjahren in dieser Pionierregion umgesetzt wird.“  

Nach dem Repowering steigt die installierte Leistung pro Windrad von 2 auf 4.5 MW und die Jahresproduktion der fünf Windräder von 21.5 Mio. kWh auf 62 Mio. KWh, sprich rund das Dreifache!  

Kaum Bedenken bezüglich des Vogelzugs
Die Forschenden analysierten in einem küstennahen Windpark innerhalb von eineinhalb Jahren über vier Millionen Vogelbewegungen. „In unserer Studie im Norden von Deutschland haben wir keinen direkten Zusammenhang zwischen starkem Vogelzug und dem Kollisionsrisiko von Vögeln mit Windrädern gefunden: über 99 % der Vögel passieren Windräder unbeschadet“, erklärte Jorg Welcker, BioConsult SH GmbH & Co. KG, in seinem Referat. Der Vogelzugexperte präzisierte: „Minderungsmassnahmen auf alleiniger Basis der Zugintensität scheinen folglich nicht effektiv.“