29. Januar 2024
IEA: 2023 wurden weltweit 507 GW Leistung für erneuerbare Stromproduktion zugebaut – 50% mehr als im Vorjahr
Die weltweite Leistung zur Produktion von erneuerbaren Energien nimmt so schnell zu wie nie zuvor in den letzten 3 Jahrzehnten. Das Wachstum eröffne eine realistische Chance, bis 2030 eine Verdreifachung der weltweiten Erneuerbaren-Leistung zu erreichen, heisst es im aktuellen Bericht der IEA.

Strom aus erneuerbaren Quellen und neue Leistung nach Technologie und Bereich 2016-2028. ©Bild: IEA. Licence: CC BY 4.0
Im vergangenen Jahr wurden weltweit 507 GW an Erneuerbaren-Leistungen zur Stromerzeugung zugebaut, das sind fast 50% mehr als 2022. Dabei entfielen Dreiviertel der Zuwächse auf die Solarenergie. Das geht aus dem neuesten IEA-Bericht „Renewables 2023“ hervor. Der grösste Zubau wurde in China verzeichnet. Hier wurde 2023 so viel Photovoltaik-Leistung zugebaut wie die ganze restliche Welt im Jahr 2022 zusammen zugebaut hatte. Bei der Steigerung der Windenergie-Leistungen gehen 66% auf das Konto von China. Aber auch in der Europäischen Union, in den USA sowie in Brasilien erreichten die Neuinstallationen von Erneuerbaren-Leistungen 2023 neue Höchststände.
Erneuerbare lösen Kohle ab
Der IEA-Bericht geht jetzt davon aus, dass bei gleichbleibenden politischen Bedingungen und Marktvoraussetzungen im Zeitraum 2023-28 ein Anstieg der globalen Erneuerbaren-Leistung auf 7300 GW erreicht werden wird. Für 95% dieses Wachstums werden die Solar- und Windenergie verantwortlich sein. Dieser Zubau werde bereits Anfang 2025 dazu führen, dass die Erneuerbaren weltweit die Kohle als stärkste Stromerzeugungsquelle ablösen, so die IEA.
Renewable Energy Progress Tracker
Zeitgleich mit dem Renewables-Bericht veröffentlichte die IEA auch den Renewable Energy Progress Tracker, über den Interessierte die historische Entwicklung sowie die Vorhersagen über den Ausbau der Erneuerbaren auf regionaler Ebene und Länderebene verfolgen können. Dies gilt auch für den Ausbau der Erneuerbaren in Richtung Verdreifachung der Leistung.

Zubau erneuerbare Stromleistung nach Ländern und Regionen gemäss Hauptszenario 2005-2028. ©Bild: IEA. Licence: CC BY 4.0
Erneuerbaren günstiger als aus Fossilen
Der neue IEA-Bericht prognostiziert, dass bei gleichbleibenden politischen Bedingungen und Marktverhältnissen die globale Erneuerbaren-Leistung bis 2030 um das 2.5-Fache wachsen wird. Damit würde die an der Weltklimakonferenz 2023 in Dubai vereinbarte Verdreifachung der Leistungen zwar knapp verfehlt, aber die Entwicklung nähert sich diesem Ziel an. Und die Regierungen hätten die Werkzeuge an der Hand, um diese Lücke zu verringern, heisst es im Bericht. Bereits heute ist die Produktion von Strom mit Windenergie- und Photovoltaikanlagen fast überall günstiger als die mit neuen fossilen Kraftwerken. In den meisten Ländern ist die erneuerbare Stromproduktion sogar günstiger als die Stromproduktion mit bestehenden fossilen Kraftwerken.
Was noch benötigt wird, um die Erneuerbaren-Leistung bis 2030 zu verdreifachen, hängt von den einzelnen Ländern, Regionen und der Technologie ab. Der Bericht umfasst ein Szenario, bei dem durch eine schnellere Umsetzung der politischen Massnahmen die Erzeugungsleistung für Erneuerbare um 21 % weiter nach oben getrieben werden würde als beim Hauptszenario, das die Verdreifachung der Leistung vorsieht.

Zubau von erneuerbarer Leistung nach Technologie gemäss dem Hauptszenarion und dem Szenarion mit hohem Zubau 2005-2028. ©Bild: IEA. Licence: CC BY 4.0
Windenergie hat zu kämpfen
Für die Vereinigten Staaten, Indien und Brasilien wird erwartet, dass die bis 2028 zusätzlich installierten Leistungen für Windenergie und Photovoltaik mehr als doppelt so hoch ausfallen werden wie die in den letzten fünf Jahren. Die Preise für PV-Module sind 2023 im Jahresvergleich um fast 50 % gesunken. Der Bericht geht davon aus, dass die Preissenkungen und der schnelle Zubau weitergehen werden. Dies führt die IEA darauf zurück, dass Ende 2024 die erwartete Produktionkapazität für PV-Module die Marke von 1100 GW erreichen wird, was signifikant über der Nachfrage liegt. Im Gegensatz dazu steht die Windenergiebranche (ausserhalb Chinas) vor grösseren Herausforderungen, sie hat immer noch mit Unterbrechungen der Lieferkette, höheren Kosten und langen Genehmigungsfristen zu kämpfen. Hier sollte laut IEA das Augenmerk der Politik liegen.
Wasserstoffhochlauf kommt nur langsam voran
Der Bericht beleuchtet auch den Bereich des erneuerbaren Wasserstoffs und analysiert, wie viele der angekündigten Projekte wahrscheinlich realisiert werden. Es wird prognostiziert, dass von all den angekündigten Projekten weltweit, die bei der Wasserstoffproduktion erneuerbare Energien einsetzen wollen, nur 7 % der angekündigten ProjektLeistung bis 2030 erreicht werden. Die nur langsame Umsetzung geplanter Projekte in endgültige Investitionsentscheidungen, fehlende Abnehmer und höhere Produktionskosten hätten zu dieser Situation geführt.
Quelle: IEA
